Nadine…..und der Kampf zwischen Nähe und Schutz

In letzter Zeit bin ich vielen Menschen begegnet.
Und mit jedem einzelnen hatte ich das Gefühl, einer anderen Version von mir selbst zu begegnen.

Ich begegnete einer lauten, lockeren Welt. Menschen, die leicht wirken. Rau, witzig, irgendwie auch unangepasst. Menschen, die sich gegenseitig Raum geben, lachen, leben, ohne alles ständig zu zerdenken. Ein Teil von mir wollte genau dorthin. Wollte wieder die Version von früher werden, weniger kontrolliert, weniger angepasst. Gleichzeitig machte es mir Angst, denn Freiheit bedeutet manchmal auch Chaos und Rauheit bedeutet oft nicht automatisch Sicherheit.

Dann begegnete ich Menschen mit Ruhe, mit Präsenz, diese stille Intensität, die mich sofort berührt hat, sehr lange. Menschen, die etwas in mir ausgelöst haben, das ich kaum beschreiben kann. Bewunderung, Sehnsucht, Tiefe. Fast wie ein inneres Ankommen nur für ein paar Sekunden. Und trotzdem blieb so oft die Frage zurück, ob Schönheit, Ruhe oder Leidenschaft allein reichen, wenn man sich emotional trotzdem nicht sicher fühlt.

Und dann gab es noch diese Menschen, denen ich beim Sport begegnet bin. Menschen, bei denen ich mich lebendig fühle. Freier, mutiger, mehr im Moment und weniger in meinem Kopf. Bewegung, Energie, Wachstum, Spannung. Eine Version von mir, die nicht nur funktioniert, sondern spürt.

Und gleichzeitig gab es die Menschen, bei denen sich etwas ganz anderes gezeigt hat.
Vertrautheit, Ruhe, dieses seltene Gefühl, einfach zuhause sein zu dürfen, ohne sich dauernd erklären oder beweisen zu müssen, ohne ständig Angst haben zu müssen, zu viel zu sein. Ohne dauernd analysieren zu müssen, ob jemand bleibt oder geht, warm, sicher, echt.

Dann tauchten oft Erinnerungen auf an Orte, an denen ich mich freier gefühlt habe als irgendwo sonst. Orte, an denen mein Kopf so viel leiser war. Wo mein Körper nicht ständig in Alarmbereitschaft war, wo ich nicht kämpfen oder etwas darstellen musste. Manchmal reicht dann schon eine Sprache an der Supermarktkasse, ein Lied oder ein Geruch, damit diese Sehnsucht plötzlich wieder mitten im Raum steht.

Und während all das passiert, merke ich etwas, das schwer auszuhalten ist:

Eigentlich will ich gar kein Drama, ich will keine Spielchen, nicht dieses ewige Rätseln, Hoffen, Kontrollieren…..

Ich möchte mich sicher fühlen, gehalten fühlen. Ruhe im Kopf. Nicht ständig das Gefühl haben, kämpfen zu müssen, damit jemand bleibt. Und gleichzeitig tue ich immer wieder genau das Gegenteil.

Ich werde laut, witzig, stark, kontrolliert, intensiv. Ich denke viel zu viel. Ich analysiere Blicke, Nachrichten, Veränderungen. Ich versuche interessant genug zu sein, besonders genug, schön genug, tief genug, damit jemand wirklich hinsieht und bleibt. Weil ein Teil von mir immer noch Angst hat, dass die ruhige, weiche Version allein vielleicht nicht reicht.

Ich suche gleichzeitig nach Ruhe und verliere sie selbst ständig wieder.
Ich will Nähe, kippe aber oft in alte Schutzmechanismen, sobald sie möglich wird.

Und trotzdem glaube ich, dass all diese Begegnungen gerade wichtig für mich sind.
Nicht weil ich plötzlich Antworten hätte oder genau wüsste, was ich will. Ganz im Gegenteil.

Sie zeigen mir Seiten von mir, die ich vorher kaum wahrgenommen habe. Versionen von mir, die gleichzeitig existieren.

Die, die Freiheit spürt und sofort aufatmet.
Die, die Ruhe kaum aushält, weil sie sie nicht gewohnt ist.
Die, die sich nach Nähe sehnt und gleichzeitig Angst davor bekommt.                                      Die, die sich nach Zuhause sehnt und trotzdem immer wieder weiterzieht.
Die, die weich sein möchte und sich im nächsten Moment wieder hinter Stärke versteckt.        Die, die sofort wieder Kontrolle übernimmt, sobald etwas zu nah kommt.                                Die, die eigentlich längst erschöpft ist vom Kämpfen, aber trotzdem weitermacht.

Vielleicht ist genau das gerade so verwirrend.
Manche Begegnungen öffnen etwas in mir und gleichzeitig verunsichern sie mich.
Ich fühle mich manchmal für Sekunden angekommen und kurz darauf falle ich wieder in dieses alte Gefühl, verlassen worden zu sein. Weil Menschen eben nicht nur etwas Schönes auslösen. Sondern oft auch immer wieder alte Wunden mit aufreißen. Ich bin nicht nur traurig, ich bin einfach verdammt verletzt.

Verletzt davon, wie oft Menschen etwas in mir berühren, Nähe zulassen, Wärme auslösen und sich dann irgendwann trotzdem entziehen, zurückziehen oder verschwinden. Und ja, das macht etwas mit einem Menschen. Es macht misstrauisch. Es macht manchmal laut. Es macht kontrolliert, und manchmal macht es hart. Weil man irgendwann müde wird, ständig diejenige zu sein, die fühlt, kämpft, hofft und dann doch zurückbleibt.

Aber ich muss das gerade auch noch gar nicht komplett verstehen.
Es geht manchmal nur einfach darum, ehrlich genug hinzusehen, was all das mit mir macht.

Vielleicht wird nicht alles davon bleiben. Nicht jeder Mensch. Nicht jedes Gefühl.
Nicht jede Hoffnung. Aber all das hat etwas in mir sichtbar gemacht, das lange unter Lärm, Kontrolle und Stärke verborgen war.

Und genau das ist gerade wichtiger, als sofort Antworten zu haben. Es gerade nicht darum, endlich stark genug zu werden.

Sondern endlich aufzuhören, so zu tun, als würde mich das alles nicht verletzen.

In diesem Sinne……

eure Nadine

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