Nadine….und der Sport Teil 2

Vor 1,5 Jahren habe ich mich aus etwas gelöst, das ich so in der Form nie für mein Leben wollte. Ich hatte mich zuvor verloren, habe gekämpft, wieder und wieder Schmerz ausgehalten und mich unwissentlich kleiner gemacht, als ich bin, bis ich irgendwann endlich losgelassen habe. Was danach kam, hat mich überrascht. Und manchmal denke ich, hätte ich früher gewusst, was das alles mit mir macht, hätte ich vielleicht weniger Angst davor gehabt.

Sport gab es immer in meinem Leben, aber nie so, dass ich geblieben bin. Es hat immer etwas gefehlt, etwas, das ich lange selbst nicht greifen konnte. Bis ich plötzlich per Zufall an einen Ort kam, an dem irgendwie alles anders war. Ich spürte respektvollen Umgang, authentische Freundlichkeit, einen leichten, witzigen Umgang miteinander. Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht nur zu funktionieren, sondern wirklich da zu sein. Es hat Zeit gebraucht. Ich musste erst Vertrauen fassen, mutiger werden und mich Stück für Stück über meine eigenen Grenzen hinausbewegen. Aber ich bin endlich an etwas drangeblieben, auch wenn es wahnsinnig anstrengend war.

Meine Kondition wurde besser, mein Körper stärker. Ich habe Gewicht verloren, ja. Ich habe geschwitzt, so unfassbar viel geflucht, wurde wie in einem Bootcamp angeschrien und gleichzeitig motiviert, manchmal wusste ich selbst nicht mehr, ob ich gerade sterbe oder stärker werde. Trigger, immer und immer wieder. Muskelkater war irgendwann kein Zustand mehr, sondern ein Lebensgefühl. Aber das war nicht das Entscheidende, denn ich merkte auch immer mehr, hier komme ich zu mir zurück.

Und während ich im Training stärker wurde, wurde alles drum herum nicht unbedingt leichter. Natürlich blieb ich Nadine. Tja, und Nadine bringt manchmal Chaos mit, wäre doch langweilig, wenn mal was glatt laufen würde. Ich habe wieder jemandem vertraut, genossen, losgelassen, mich geöffnet und wurde natürlich wieder verletzt. Aber ich bereue es dennoch nicht, denn ich habe es zugelassen und wusste vieles in dem Moment einfach nicht. Heute würde ich manches anders sehen und machen, aber genau das hätte ich damals noch nicht gekonnt. Und auch wenn ich bis heute nicht ganz verstehe, was da eigentlich passiert ist, weiß ich, dass ich ehrlich und echt war. Dass ich nichts vorgespielt habe und viel gegeben habe. Und vielleicht macht genau das manchmal verletzlich, aber genau das ist auch das, was echte Nähe überhaupt erst möglich macht.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich nicht nur auf der Matte kämpfe. Es gibt oft dieses laute, sichtbare Kämpfen. Und es gibt das, was niemand sieht. Und genau darin liegt mein Wachstum und darauf bin ich auch stolz.

Und wenn ich heute auf mich schaue, 1,5 Jahre später, sehe ich so viel mehr als das, was wehgetan hat. Ich wiege 12 Kilo weniger. (Die Haut kommt nicht ganz hinterher, aber ich bin ja auch keine 20 mehr. 🙂 ) Mein Körper ist stärker geworden, mein Kopf ruhiger. Ich muss mich nicht mehr zum Sport zwingen, ich gehe freiwillig, sogar am Wochenende. Ich habe mir ein neues Fahrrad gekauft, jogge ohne Gehpausen, bewege mich, weil ich es will und nicht, weil ich muss. Es tut mir so unfassbar gut. Und ich fühle mich so viel freier, mutiger und vor allem mehr bei mir.

Den Schmerz kann ich nicht rückgängig machen. Und das, was passiert ist, leider auch nicht, auch wenn ich es mir so oft wünsche, die damalige Situation mit heutigen Augen zu sehen. Es kommt immer mal wieder die Frage auf, warum ich das alles eigentlich alles mache. Meine eigene innere Antwort ist immer wieder dieselbe:

weil Aufgeben für mich noch viel viel anstrengender wäre, weil ich mich so, so viel lebendiger fühle und weil ich nicht mehr zurück in die Version von mir möchte, die sich selbst verloren hat.

Selbstverständlich sind meine Tränen, der Schmerz und die Angst noch da, immer wieder. Aber ich lerne immer mehr, damit umzugehen, ohne mich dabei ständig zu verlieren. Es nimmt mich nicht mehr komplett ein, ich verliere mich nicht mehr darin. Ich bleibe bei mir, bin ruhiger, auch wenn es weh tut. Deshalb freue ich mich schon auf die nächsten Strafliegestütze, Burpees und 200 Situps, denn dieser Ort und dieser Sport haben weiter definitiv für mich auch etwas Magisches, weil sie nicht nur meinen Körper veändern.

in diesem Sinne

Nadine

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