Nadine und die Umzüge…..

Ich bin 47 Jahre alt und ja, an dieser Stelle ist es mir etwas, wie soll ich sagen… „unangenehm“, eine Zahl zu nennen, wie oft ich schon umgezogen bin. Irgendwann war es keine Phase mehr, sondern eher ein „Talent“. Ich hatte echt Übung im Umziehen. Ich war echt gut darin, neu anzufangen, neue Wohnung, neue Umgebung, neue Geschichte. Was ich nicht so gut konnte: mir vorher zu überlegen, ob der ganze Stress überhaupt Sinn macht. Viele dieser Umzüge hatten einen gemeinsamen Nenner. Es war nicht die Wohnung an sich.

Ich war es. (Kann man auch als besondere Form von „Einsatz“ betrachten ;))

Ich habe zu schnell vertraut, ich habe zu oft gedacht: „Das passt schon.“ Ich bin oft losgelaufen, während andere noch ihre Schuhe gesucht haben. (Und by the way, das war leider nicht nur bei Umzügen so). Mut hatte ich immer, die Kraft auch, aber das Timing, das durfte ich dringend überdenken, in vielen Bereichen meines Lebens.

Ja, es ist irgendwie absurd, aber so war ich halt, ziemlich lebendig. Bis vor Kurzem hatte ich auch mal diesen einen Ort im Norden. Lange dachte ich, da werde ich zur Ruhe kommen, da muss ich hin. Alles war vorbereitet, ich hatte fast eine Wohnung gefunden, aber es hat dann irgendwie doch alles nicht geklappt. Heute sage ich manchmal: „Zum Glück.“

Ich war in letzter Zeit oft dort, es ist irgendwie durch alles, was passiert ist in den letzten 3 Jahren, nicht mehr mein Ort, nicht mehr meine Realität, nicht mehr das, was ich mir wünsche, nicht mehr magisch. Es ist ruhig, es ist Rückzug, es ist Erdung und Sicherheit, aber auf Dauer wahrscheinlich zu einsam für mich. (So viel Ruhe kann ich dann doch nicht)

Irgendwann habe ich verstanden: Ich kann mein Leben nicht umziehen, auch wenn es oft praktisch gewesen wäre.

Heute sitze ich hier. In meiner Wohnung, in einer schönen Umgebung, in der ursprünglichen Heimat, mit netten Nachbarn, ich fühle mich sicher. Es ist nicht spektakulär, aber echt. Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, nicht wieder gleich los zu müssen. Das ist neu. Ich habe in den letzten Jahren alles, was passiert ist, gebraucht. Auch meinen Job habe ich gebraucht, Ruhe, Abstand von Dynamiken, von toxischen Menschen. Ich brauchte Ruhe, Struktur und Distanz.

Aber seit einiger Zeit verschiebt sich etwas. Ich habe wieder Lust auf Leben und auf Menschen, aber ohne Dauertrubel, eher mit Pausen, mehr mein Tempo, mehr Luft zum Atmen. Und was auch neu ist: ich habe keine Lust mehr, mich anzupassen, damit etwas funktioniert. Ich habe nicht zu gemacht, nichts verschlossen, ich lerne nur, genauer hinzusehen, wenn ich in mein Leben lasse. Ich gebe immer noch viel, aber nicht mehr überall. Ich bin immer noch herzlich, aber nicht mehr selbstverständlich. Ich liebe immer noch, aber bewusster. Und das fühlt sich besser an als jeder Neustart in einer neuen Stadt. Ich kanns noch nicht perfekt, aber ich lerne es gerade und das macht schon den Unterschied. Manche Dinge lernt man eben leider erst wenn es wehgetan hat.

Ich habe wohl die letzten Jahre gebraucht, auch wenn es nicht immer leicht war, sie haben mir etwas gegeben, was ich vorher nicht hatte:

Mehr Klarheit, ein Gefühl für mein Grenzen und ein Gespür dafür, was ich mir wirklich selbst wert bin, auch wenn es unbequem wird.

Manchmal ganz schön praktisch. Ich komme immer irgendwie klar. Ich bohre Bohrlochkrater. Ich verbanne Insekten, ich lebe mein Leben, habe Spaß, manchmal alles gleichzeitig, und irgendwie funktioniert es, oft nicht elegant, dafür effektiv.

Ich habe immer noch so viel Liebe in mir. Meine Schwester sagt es ständig zu mir. Aber diese verteile ich nicht mehr wie Konfetti in alle Richtungen. Ich behalte einen großen Teil einfach bei mir, denn da bleibt sie wenigstens nicht achtlos liegen. Schon verrückt, dass man das überhaupt lernen muss.

Und ja, vielleicht ziehe ich irgendwann wieder um. Kann gut sein, würde mich nicht überraschen. Aber nicht mehr, weil ich hoffe, dass es woanders besser ist, sondern weil ich weiß, dass ich mich überall mitnehme. Ich bleibe jetzt einfach mal bei mir, in vielen Bereichen meines Lebens und passe besser auf mich auf, auch wenn ich mir sehr gewünscht hätte, es nicht erst durch Schmerz lernen zu müssen.

in diesem Sinne

eure Nadine

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